Neuer Job – neues Glück

Nun habe ich einen interessanten Job gefunden: Ich bin diesen Winter Skilehrer bei der Skischule Michi Gerg in Lenggries / Brauneck.

Vor 35 Jahren habe ich bereits die Ausbildung zur F-Lizenz machen können.
Später bin ich dann meist bei idealen Bedingungen gerne selber zum Skifahren gegangen.

Jetzt lerne ich Interessierten jeden Alters das Skifahren und carven.
Psychologisch ist es sehr wertvoll, zu lernen wie einfach es beim Skifahren ist, nach einem Sturz wieder aufzustehen und weiter zu fahren. Dieses Weitermachen ist für das ganze Leben eine wichtige Hilfe.

Was ist so besonders am Skifahren?

Wenn man oben am Hang steht und der Schnee in der Sonne glitzert, ist das schon sehr mystisch.
Morgens sind die Pisten noch leer und bestens präpariert. Wer sich dann traut, den Hang hinab zu stürzen und Richtung Tal zu carven, wird den unvergleichlichen Endorphin Cocktail spüren.
Bei mir hält dieses Gefühl den ganzen Tag an. Das ist der Kick.

Weitere Bilder sind in Vorbereitung.

Blick vom Brauneck Richtung Zugspitze Foto: Andreas Rossteuscher

Beim Skiunterricht ist natürlich der Erfolg ausschlaggebend.
Bei Erwachsenen habe ich ein ganz passables Konzept entwickelt, bei dem relativ schnell das parallele Schwingen erreicht wird.

Bei Kindern und großen Gruppen ist das schwieriger, weil sich Kinder von den vielen Eindrücken auf der Piste leichter ablenken lassen.
Wenn die Kinder dann vor Freude strahlen, spüre ich selbst einen besonderen Kick. Dann fühlt sich mein „Skilehrern“ richtig gut an.

Hier noch ein Bild von einer Kindergruppe.

Eine Gruppe von Skifans bei perfekten Bedingungen Foto: Andreas Rossteuscher

Was natürlich viel Spaß macht sind die Kurse mit Anfänger.
Wenn sportliche Kinder im Kurs sind, gelingt es bisweilen,, dass die Teilnehmer bereits nach wenigen Tagen parallel Schwingen und z.T. bereits erste Carving-Schwünge machen.

Skifahren zu lernen soll ja mit den neuen Skiern (Carver) recht einfach sein….
Hier einige meiner lustigen Erfahrungen zu diesem Thema:

Also die Kinder sind ja generell sehr unterschiedlich, je nach Region sprudeln ganz unerwartete Antworten heraus. Auf die Frage, welchen Sport die Kinder treiben, habe ich von Kindern aus dem Oberland gehört: Fußball, ich esse gerne, ich führ mein Kaibe (Kalb) spazieren…

Die Kinder aus Berlin und München haben auf die gleiche Frage oft nur mit den Schultern gezuckt. Da machen viele Kinder einfach gar keinen Sport – oder sitzen einfach nur an der Playstation. Genau so ist dann die Körperspannung: wie bei Gummibärchen vor dem Bildschirm.

Wir Skilehrer tun uns dann besonders schwer. Ein Kind das sich kaum auf den Skiern halten kann und selber nicht mehr aufstehen kann. Wie kann man solchen Kindern dann einen Sport lernen, der eben Beweglichkeit und Körperspannung braucht?

Die Kondition ist weg
Auch ist oft nach 90 Minuten bei den Kindern die Kraft einfach weg. Dann fallen die Kinder nur noch rum, haben teils Heißhunger und wollen ins Tippi (das ist unser Verpflegungszelt). Im Tippi gibt’s dann Zauberkekse, Brotzeit und Kinderpunsch. Da wird reingetrunken und später müssen die Kinder natürlich wieder aufs WC. Das sprengt dann den Kurs völlig, weil es dem nächsten Kind erst fünf Minuten später einfällt, auch auf’s Klo zu müssen.

Die Koordination ist beim Skilaufen schon sehr wichtig
Ein ganz schwieriges Thema für Anfänger ist das Gefühl fürs Kanten. Also die Kanten sind an den Seiten der Skier und nur mit dem richtigen Kantendruck kann gebremst bzw. gesteuert werden. Um den Ski auf die Kanten zu stellen, muss ich die Knie nach vorne und zur Seite bewegen. Diese Doppelbewegung hat es in sich. Beim Vormachen der Bewegung sieht man meistens ratlose Augen.

Einige wenige Kinder kapieren es, machen dann die Pflugstellung („Pizzastück“) um zu bremsen und können auch am Hang aufsteigen. Andere Kinder machen einfach die normalen Schritte weiter- wie beim Gehen mit Schuhen , rutschen mit den Skiern natürlich nach hinten, den Hang hinunter und verzweifeln. „Ich kann das nicht“!!!

Allerdings haben diese Kinder auch kein Gefühl für die Hangneigung, für Geländeformen, dass man quer zum Hang aufsteigen muss, was ein Treppenschritt ist und rutschen so ins „Abseits“.

Für uns Skilehrer bedeutet dies: Geduld, Aufheben, die Kinder zum Zauberteppich ziehen oder schieben und eben nochmals Erklären und Vormachen. Und nochmals Vormachen und wieder Aufheben.

Was ist also toll an den Kinderkursen?
Die Entschädigung für all diese Mühen ist dann: dieses Leuchten in den Augen der Kinder, die Freude über die erste Abfahrt und der unermüdliche Wille wieder aufzustehen, sich abzuschütteln und weiter geht’s mit dem Skifahren.

Richtig interessant wird’s dann bei talentierten Kindern. Die passen meist genau auf, machen die Bewegungen des Skilehrers exakt nach und transferieren Erfahrungen z. B. vom Inline Skaten auf das Skifahren. Die Kinder zwischen 7-8 und 10-12 Jahren – also noch vor der Pubertät – sind auch ganz bei der Sache und lernen superschnell.

Die individuelle Lernkurve
Schwierig wird es nur, wenn ein Schüler der Gruppe in der Lernkurve stark abfällt. Dann muss wiederholt werden und evtl. der Teilnehmer die Gruppe wechseln. Das macht man als Skilehrer natürlich ganz selten und meist ist der Gruppendruck so groß, dass dann der „Schwächere“ doch irgendwie aufschließt. Ein Kind aus Italien hatte enorme Schwierigkeiten mit dem Kanten und dem Aufsteigen. Beim Kurvenfahren hat er dann seine Intelligenz ausgespielt und die Belastungswechsel erspürt. Mich hat das super gefreut und ganz zufällig war er dann auch am nächsten Tag der Erste der wieder Skifahren wollte.

Erwachsene lernen ganz anders?

Das ist richtig. Hier kann man mehr Theorie einfließen lassen. Doch die Hemmungen sind oft größer und die Beweglichkeit ist oft noch geringer als bei Kindern. Ich mach vor jedem Kurs daher kurz Gymnastik, frage z. B. wie schnell die Damen mit dem Auto fahren …

Viele Damen habe einfach großen Respekt vorm Hinfallen in den Schnee (weil ja ein Ausfall als Mutter für die Familien schwierig werden könnte). Bei blauen Pisten liegt die maximale Geschwindigkeit beim Skifahren vielleicht bei 30 km/h und wenn man fällt, dann auf den Schnee. Interessanterweise fahren genau diese Frauen oft mit dem Auto schnell mal 200 km/h.

Kann man Hinfallen lernen?
Hier muss ich wieder ans Schilcher Training denken. Wir dehnen dort die Gelenke, stärken die Schulter und Rückenmuskulatur, verbessern die Koordination, um eben bei Stürzen „richtig“ zu fallen. Und wir schulen das Gleichgewicht. Ein gutes Gleichgewicht verhindert Stürze komplett. Es hilft also fürs Skifahren eine gewisse Beweglichkeit.

Was ist nun so toll am Skisport?
Die Alpen haben eine spezielle blaue Aura und diese Energie gibt Kraft. Die Luft ist sauber und kein Vergleich zur Luftqualität in Frankfurt. Wenn dann noch die Sonne scheint, stellt sich ein Glücksgefühl ein, das man im Winter nur sehr selten findet.

Wie bei vielen Sportarten zentriert das Skifahren, weil ich mich auf die Bewegungen konzentrieren muss. Ferner hat das Skifahren durch das Gleiten den Effekt der Leichtigkeit. Ich muss fast gar nichts tun und die Skier fahren den Hang hinunter. Das stimmt natürlich nur bedingt, aber wenn man die Bewegungsabläufe verstanden hat, ist Skifahren ein Wippen – ähnlich wie in einem Schaukelstuhl.

Doch der Rausch kommt vor dem Apres-Ski – durch die Geschwindigkeit
Dieser Geschwindigkeitsrausch ist beim Skifahren so unglaublich direkt – auch weil man ja fast beliebig schnell fahren kann. Die Kinder lieben alle das Schussfahren – also ohne Schwung ins Tal zu rauschen. Auf den Skiern habe ich nur wenige Zentimeter zum Schnee und erlebe so die Geschwindigkeit ganz unvermittelt.

Für mich sind die rhythmischen Bewegungen beim Kurvenfahren (Carven) so toll. Die Kurve wird mit einem leichten Wippen nach vorne (dies erhöht den Druck auf der Skispitze) eingeleitet und dann beim Wippen nach hinten kommt der spezielle Impuls und ich beschleunige aus der Kurve.

Vor der nächsten Kurven wiederholt sich die Wippbewegung und wird evtl. noch ergänzt durch eine Bewegung der Knie seitwärts – auch ganz rhythmisch – im Takt der Kurven.

Bei diesen Bewegungen summe ich ganz leise mein Lieblingslied und das Skifahren fühlt sich wie ein Tanz an. Bei mir stellt sich dann eine innere Zufriedenheit ein.

Leider kann ich die Fahrten mit höherer Geschwindigkeit nur ganz früh am Morgen machen. Anschließend bin ich völlig zentriert und mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl gefüllt. Leider hält dieses Glücksgefühl nur wenige Stunden an. Mittlerweile rufe ich allerdings die schnelle Fahrt dann einfach nochmal ins Gedächtnis und das Glücksgefühl kommt wieder – aber leider etwas schwächer.

Das macht für mich den Reiz des Skifahrens aus.

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